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Held
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Ein Held (althochdeutsch helido) bzw. eine Heldin ist eine reale oder fiktive Person, die auĂergewöhnliche körperliche oder geistige Leistungen erbringt und dabei oft eigene Nachteile in Kauf nimmt. Dadurch ragt der Held aus einer sozialen Gruppe heraus, fĂŒr die er identitĂ€tsstiftende Funktionen ĂŒbernimmt, indem er ihre Wertvorstellungen idealtypisch verkörpert und von ihr in Mythos, Geschichte, Literatur, Ritual usw. immer wieder vergegenwĂ€rtigt wird. Diese VergegenwĂ€rtigungen können sich auch propagandistisch auf bloĂ imaginierte oder ĂŒbertriebene Leistungen beziehen. Heldentum ist immer eine Zuschreibung, das Ergebnis einer Heroisierung.
Im Unterschied dazu versteht man unter dem Helden in einer ErzÀhlung den Protagonisten, die handlungstragende Hauptfigur, die als Antiheld aber auch negativ gezeichnet sein kann. Die Eigenschaft, ein Held zu sein, nennt man Heldentum oder Heroismus.
Contents
âą Begriff
âą Geschichte
âą Antike
âą Mittelalter
âą FrĂŒhe Neuzeit
âą Wissenschaft
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Begriff
Als Helden galten lange Personen (vornehmlich MĂ€nner), die AuĂerordentliches geleistet haben. Der deutsche Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770â1831) etwa glaubte, der âWeltgeistâ bediene sich ihrer quasi als seiner âGeschĂ€ftsfĂŒhrerâ, um âdie notwendige, nĂ€chste Stufe ihrer Weltâ ins Werk zu setzen.cite-ref-1[1] Diesem essenzialistischen VerstĂ€ndnis, das annimmt, es gebe individuelle QualitĂ€ten wie Mut, Tugendhaftigkeit oder Charisma, die objektiv als Heldentum bezeichnet werden mĂŒssten, steht heute verbreitet eine konstruktivistische Auffassung gegenĂŒber. Die Wissenschaftler Ralf von den Hoff, Ronald G. Asch, Achim Aurnhammer, Ulrich Bröckling, Barbara Korte, Jörn Leonhard und Birgit Studt definieren als konzeptionellen Ausgangspunkt ihres Sonderforschungsbereichs âeine heroische Figurâ als âreale oder fiktive, lebende oder tote menschliche Person, die als Held, hero, hĂ©ros usw benannt und/oder prĂ€sentiert wird und der heroische Eigenschaften zugeschrieben werden, und zwar insbesondere agonale, auĂeralltĂ€gliche, oftmals transgressive eigene Leistungenâ.cite-ref-2[2] Diese Definition erscheint tautologisch: Ein Held ist, wer als solcher prĂ€sentiert wird. Der Orientalist Olmo Gölz und der Literaturwissenschaftler Georg Feitscher betonen, dass es immer Heroisierungen seien, also gesellschaftliche Zuschreibungs- und Konstruktionsprozesse, die Helden bzw. heroische Figuren erst hervorbrĂ€chten.cite-ref-3[3] Ăhnlich der Politikwissenschaftler Herfried MĂŒnkler, der schreibt, der Typus des Helden sei immer auf eine ânarrative Verdoppelung angewiesenâ: Ein Held ist nur, von dessen Taten erzĂ€hlt wird. Gleichzeitig bringe die Literatur aber auch die Regeln und Codices hervor, nach denen GewaltausĂŒbung, aus der die Helden taten zumeist bestehen, legitim und ehrenhaft ist, und sublimiere sie so.cite-ref-m-nkler-4-0[4]
Als einige Eigenschaften, mit denen solche Heroisierungen begrĂŒndet wĂŒrden, fĂŒhrt der Soziologe Tobias Schlechtriemen typologisch auf:
1. AuĂerordentlichkeit,
2. Autonomie und TransgressivitÀt,
3. moralische und affektive Aufgeladenheit,
4. AgonalitÀt sowie
5. eine starke Agency.
Das heiĂt, Helden seien auĂergewöhnliche Persönlichkeiten, weit ĂŒber dem Durchschnitt, die ihr Verhalten an ihren eigenen Gesetzen mĂ€Ăen, wĂ€hrend sie die Gesetze anderer durchaus ĂŒbertreten dĂŒrften â insofern seien sie transgressive Figuren. Sie hĂ€tten Einfluss auf andere und seien daher affektiv aufgeladen; sie seien kĂ€mpferisch, bereit, ihr Leben zu riskieren, und schlieĂlich könne es keinen Helden geben ohne eine Heldentat: Ein Held trete immer aktiv handelnd auf, selbst wenn seine Handlung nur darin bestehe, heldenhaft zu warten.cite-ref-5[5]
Geschichte
Antike
â
Hauptartikel
:
Heros
Im antiken Griechenland verstand man unter einem Helden (altgriechisch ጄÏÏÏ hážrĆs, ursprĂŒnglich âfreier Mannâ) einen wirkungsmĂ€chtigen Toten, der Anspruch auf Verehrung hatte. Dabei musste er sich nicht unbedingt Verdienste erworben haben â von vielen antiken Heroen wird vielmehr moralisch durchaus FragwĂŒrdiges berichtet:cite-ref-6[6] Theseus soll seine Geliebte Ariadne allein auf einer Insel ausgesetzt haben, Herakles ermordete seine Frau und seine Kinder. Der griechische Dichter Hesiod nennt in seiner absteigenden Abfolge der Weltzeitalter als vorletztes ein âZeitalter der Heroenâ, in dem er die Epen um die Kriege um Theben und Troja verortet. Die dort aktiven KĂ€mpfer platziert er zwischen Menschen und Götter: Er nennt sie Halbgötter (altgriechisch áŒ„ÎŒÎŻÎžÎ”ÎżÎč hÄmĂtheoi) und berichtet, Zeus habe sie nach ihrem Tod alle auf die Inseln der Seligen versetzt. Im Sinne einer epischen Stilisierung bezeichnet Homer die menschlichen Akteure in der Ilias und der Odyssee als Heroen, auch wenn sie nicht kultisch verehrt wurden.cite-ref-pauly-477-7-0[7]
TatsĂ€chlich hatte fast jeder Heros ein Heroon, eine lokalisierbare GrabstĂ€tte, an der er kultisch verehrt wurde. So berichtet Pausanias, er habe das Grab des Theseus in der Gegend von Troizen besucht, Aktaion soll sein Heroon in der Megaris gehabt haben. Die so verehrten Heroen waren aber auch unheimlich und konnten sich aus ihren GrĂ€bern erheben, um Gutes oder auch Böses zu tun. Das Heroenbild des Aktaion musste daher in seinem Heroon regelmĂ€Ăig gefesselt werden.cite-ref-pauly-477-7-1[7] Viele dieser GrĂ€ber stammen aus mykenischer Zeit, fĂŒr die kein Heroenkult nachweisbar ist. Das heiĂt, dass die im 8. Jahrhundert v. Chr. einsetzende Heldenverehrung an eine bloĂ imaginierte Vergangenheit ansetzte. Einige Heroen hatten auch mehrere GrabstĂ€tten, an denen sie verehrt wurden: Agamemnon zum Beispiel soll in Mykene und in Tarent begraben worden sein. Einige Heroen wie Herakles oder Asklepios erlangten panhellenische Bedeutung, was sie an die Götter annĂ€herte oder direkt zu solchen machte.cite-ref-8[8] Von geringerer Bedeutung waren die Heroinen: Sie waren oft namenlose GefĂ€hrtinnen eines Heros oder wie im Fall der Iphigenie in Brauron mit einem speziellen Frauenkult verbunden.cite-ref-9[9]
Bei den Feiern, die an diesen Heroa abgehalten wurden, erzĂ€hlte man sich die Geschichten der Helden: Ihre besonderen Leistungen zum Beispiel als Gesetzgeber oder StĂ€dtegrĂŒnder, ihre göttliche Abstammung, ihre Schönheit oder die auĂergewöhnlichen UmstĂ€nde ihres Todes. Daraus entwickelten sich mit der Zeit die Epen und die Dramen der antiken Literatur, die teilweise bis heute ĂŒberliefert sind.cite-ref-10[10] Im 4. Jahrhundert v. Chr. stellte der Philosoph Aristoteles in seiner Poetik Regeln fĂŒr solche Dramen auf. FĂŒr den Helden einer Tragödie legte er fest, er mĂŒsse mittlere Charaktereigenschaften haben:
âEs ist dies aber ein solcher, der weder durch sittliche TĂŒchtigkeit und Gerechtigkeit hervorragt, noch andrerseits durch Schlechtigkeit und Gemeinheit in UnglĂŒck gerĂ€t, sondern infolge einer Art Irrtum und zwar bei Personen von groĂem Ansehen und in glĂŒcklicher Lebenslage, wie bei Oidipus und Thyestes und anderen erlauchten MĂ€nnern aus solchen Geschlechtern.âcite-ref-11[11]
In seiner Nikomachischen Ethik nannte er als Gegenteil der tierischen Rohheit die âheroische [âŠ] Tugendâ, die er aber am Beispiel des Hektor aus dem Trojanischen Krieg an die göttliche SphĂ€re annĂ€herte, da âwie man sagt, aus Menschen durch ein ĂbermaĂ der Tugend Götter werdenâ.cite-ref-12[12] Die Philosophenschule der Stoa formulierte als Ideal Apatheia und Ataraxie, Leidenschaftslosigkeit und Unverwirrtheit. Ein Held mĂŒsse demnach in Momenten der Gefahr emotionslos bleiben.cite-ref-13[13] Diese Forderung gipfelte im Ideal des Stoischen Weisen, der seine Unbeeindruckbarkeit soweit gesteigert hĂ€tte, dass er selbst noch unter der Folter glĂŒcklich wĂ€re.
SpĂ€tere Herrscher knĂŒpften zur Legitimation ihrer Herrschaft an den Heroenkult an. Antiochos von Kommagene (â vor 31 v. Chr.) etwa lieĂ sich beim Handschlag mit Herakles abbilden und verbreiten, seine Vorfahren wĂŒrden ebenfalls bis auf Zeus zurĂŒckgehen.cite-ref-rgg-14-0[14]
Im Alten Orient finden sich vergleichbare Heldengestalten, denen zum Teil groĂe Verehrung entgegengebracht wurde. Beispiele hier sind Enmerkar, Lugalbanda und Gilgamesch aus Uruk oder der aus dem Tanach bekannte Simson.cite-ref-rgg-14-1[14]
Seit dem Hellenismus verbreitete sich die auf den griechischen Philosophen Euhemeros zurĂŒckgehende Deutung, in Wahrheit seien alle Götter ursprĂŒnglich Heroen gewesen, Menschen, die Besonderes vollbracht hĂ€tten und die dann kultisch verehrt worden seien.cite-ref-15[15] Diese Annahme, die von den frĂŒhen Christen, vor allem aber seit der AufklĂ€rung vielfach rezipiert wurde, drehte der deutsche Religionswissenschaftler Hermann Usener (1834 â 1905) um und stellte die These auf, dass âalle Heroen, deren Geschichtlichkeit nicht nachweisbar oder wahrscheinlich ist, ursprĂŒnglich Götter warenâ.cite-ref-16[16]
Das Lateinische hat keine eigene Vokabel fĂŒr Held. Die Römer verwendeten entweder das griechische Fremdwort Heros oder sprachen von lateinisch vir fortissimus â âĂŒberaus tapferer Mannâ.cite-ref-17[17]
Mittelalter
Im Mittelalter verlor die Figur des Helden ihre bedrohliche Ambivalenz. Unter dem Einfluss des Christentums waren sie nun Personifizierungen zumeist christlicher Wertvorstellungen. Heldentum konnte von nun an die Frucht lebenslanger BemĂŒhungen sein, aber auch in einem einzigen Moment wurzeln, etwa im Selbstopfer fĂŒr die gute Sache, dem Martyrium. Die mittelalterlichen Helden und MĂ€rtyrer spornten die GlĂ€ubigen zur Nachahmung an, die sich in der Heiligenverehrung zu deren Werten bekannten und sich gleichzeitig Hilfe fĂŒr das eigene Leben erwarteten.cite-ref-18[18] Beispiele fĂŒr mittelalterliche Helden in diesem Sinne sind die legendĂ€ren Drachentöter Georg und Siegfried sowie Roland, der eponyme Held des Rolandsliedes. In den Chansons de geste und den höfischen Romanen rĂŒcken die Ideale der Ritterlichkeit in den Mittelpunkt, die von der antiken Stoa ĂŒber die KirchenvĂ€ter ins Mittelalter ĂŒberliefert worden waren: Klugheit, MĂ€Ăigung, Tapferkeit und Gerechtigkeit sowie Höflichkeit.cite-ref-19[19] Weibliche Beispiele dieses Typs sind etwa die Heiligen Maria Magdalena und Elisabeth von ThĂŒringen.cite-ref-walther-enz-nz-20-0[20]
Im SpĂ€tmittelalter wurde eine Liste von neun Helden kanonisch, die angeblich die Ideale des Rittertums ideal verkörpert hĂ€tten: Hektor von Troja, Alexander der GroĂe und Gaius Iulius Caesar als Vertreter der heidnischen Antike, Judas MakkabĂ€us, König David und Josua, der Sohn Nuns als Vertreter des Alten Testaments und mit König Artus, Karl der GroĂe und Gottfried von Bouillon, der Eroberer von Jerusalem 1099, als christliche Herrscher. Sie finden sich sowohl in der Literatur als auch in der bildenden Kunst, etwa in den RathĂ€usern zu Kölncite-ref-21[21] und zu LĂŒneburg.cite-ref-22[22]
FrĂŒhe Neuzeit
Mit der Wende zur Neuzeit ging die Verbindlichkeit der christlich-ritterlichen Werte verloren, die bis dahin unangefochten gegolten hatten. Die Suche nach einem neuen Ethos findet sich auch im Wandel der modernen Heldenideale seit 1450. Zwar wurde der Begriff des Helden, wie auch in den Jahrhunderten zuvor und wie es der weiterhin groĂen gesellschaftlichen Bedeutung des Adels entsprach, mit Tapferkeit im Krieg assoziiert: Beispiele hierfĂŒr sind der Pierre du Terrail, der âRitter ohne Furcht und Tadelâ, der AlbanerfĂŒrst Skanderbeg oder Gustav II. Adolf von Schweden.cite-ref-walther-enz-nz-20-1[20] Auf der anderen Seite lĂ€sst sich eine mit der Renaissance einhergehende erneute Rezeption der Antike erkennen, die gleichzeitig eine Politisierung des Heldentums mit sich bringt. Bekannte Helden des Altertums wie Herakles (lateinisch Hercules) wurden nun zu Apotheosen von FĂŒrsten oder Königen benutzt, um deren Herrschaft zu legitimieren.cite-ref-behrenbeck-30-23-0[23]
In der frĂŒhneuzeitlichen Literatur wurde die mittelalterliche Tradition in den Ritterromanen fortgesetzt, doch entstand gleichzeitig mit dem Schelmenroman ein neuer Heldentyp: Der meist aus der Unterschicht stammende Held dieser Roman, der âPicaroâ, ĂŒbersteht seine Abenteuer nicht durch Tapferkeit oder andere Tugenden, sondern durch BauernschlĂ€ue und viel GlĂŒck. Ein Beispiel hierfĂŒr ist Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen Der abenteuerliche Simplicissimus aus dem Jahr 1668,cite-ref-24[24] dessen Held schon durch seinen Namen (lateinisch simplex â simpel, einfĂ€ltig) als Einfaltspinsel charakterisiert ist. Ebenfalls vom traditionellen Heldenschema weichen die Titelhelden von William Shakespeares Hamlet (1601 oder 1602) und Miguel de Cervantesâ Don Quijote (1605/1615) ab, die als Sonderlinge beschrieben werden können.cite-ref-walther-enz-nz-20-2[20]
Einen weiteren Wandel machte der Begriff in der Zeit der AufklĂ€rung durch. Denis Diderot definierte in der EncyclopĂ©die 1765 einen Helden zunĂ€chst ganz traditionell als französisch un homme ferme contre les difficultĂ©s, intrĂ©pide dans les pĂ©rils, & vaillant dans les combats â âeinen Menschen standhaft gegenĂŒber Schwierigkeiten, unerschrocken in Gefahren und tapfer im KĂ€mpfenâ. Unter demselben Lemma gab er aber auch zu bedenken, dem Volk erscheine als Held oft gerade âderjenige, der â bei Licht betrachtet â eine Schande und GeiĂel der Menschheit ist (qui rĂ©duit Ă sa juste valeur, est la honte & le fleau du genre humain)â.cite-ref-25[25] Diese pazistische Kritik an der Figur des (Kriegs-)Helden setzte sich indes nicht durch, wie die teilweise kultische Verehrung zeigt, die dem preuĂischen König Friedrich II. trotz oder wegen seiner skrupellosen Eroberungskriege entgegengebracht wurde. Dennoch lĂ€sst sich feststellen, dass seitdem zu militĂ€rischem Ruhm auch noch andere Tugenden treten mussten, um aus ihrem TrĂ€ger einen Helden zu machen, etwa Patriotismus, HumanitĂ€t und Bildung.cite-ref-walther-enz-nz-20-3[20] Durchsetzen konnte sich dagegen die aufklĂ€rerische Auffassung, dass starke Leidenschaften Zeichen starker Persönlichkeiten seien. Das Ideal der tief empfindenden Heldin bzw. des Helden, der sich seiner GefĂŒhle nicht schĂ€mt, fand seinen literarischen Niederschlag etwa in Antoine-François PrĂ©vosts Manon Lescaut (1731) oder in Goethes Die Leiden des jungen Werthers (1774).cite-ref-walther-enz-nz-20-4[20]
Das in der FrĂŒhen Neuzeit ökonomisch aufsteigende BĂŒrgertum, das von der Offizierslaufbahn und damit von der Gelegenheit militĂ€rischen Heldenruhms weitgehend ausgeschlossen war, entwickelte stattdessen den Geniekult: Als besonders verehrungswĂŒrdig galten ihm originelle und natĂŒrlich wirkende KĂŒnstler, die scheinbar traditionslos bedeutende Werke aus sich heraus zu schaffen im Stande waren.cite-ref-walther-enz-nz-20-5[20] Objekte dieser Verehrung, die bald den Charakter einer sĂ€kularen Bildungsreligion annahmen, waren etwa Schriftsteller wie Goethe oder Shakespeare, Komponisten wie Wolfgang Amadeus Mozart oder Ludwig van Beethoven, Entdecker wie Christopher Kolumbus, aber auch StaatsmĂ€nner wie Caesar, Napoleon oder Otto von Bismarck.cite-ref-26[26]
19. und 20. Jahrhundert
In AnknĂŒpfung an die empfindsamen Heldinnen und Helden der SpĂ€taufklĂ€rung steigerten die Autoren der Romantik die Leidenschaften noch, die ihre Heldinnen und Helden leiteten: Beispiele hier sind die Penthesilea von Heinrich von Kleist (1808), Victor Hugos Glöckner von Notre-Dame (1831) oder die Protagonisten von Emily BrontĂ«s Sturmhöhe (1847).cite-ref-walther-enz-nz-20-6[20] Die so geschaffenen romantischen Helden durchleben in der Hauptsache innere Konflikte: Sie sind unkonventionell, oft Reisende und EinzelgĂ€nger und nicht selten auf der Suche nach einem authentischen Ausdruck ihrer selbst: Ihre GefĂŒhle und Empfindungen sehen sie als Mittel an, Einsichten zu gewinnen, die ihnen ihr Verstand allein nicht liefern. Beispiele fĂŒr solche romantischen Helden sind Goethes Faust und Lord Byrons Childe Harold.cite-ref-27[27]
In der Figur des Freiheitshelden konnte diese romantische Vorstellung aber auch politisiert werden:cite-ref-walther-enz-nz-20-7[20] Nach der Französischen Revolution stieg zu Beginn des 19. Jahrhunderts der Bedarf an neuen Identifikationsfiguren: Der neu aufkommende Nationalismus versuchte, die Nation als wichtigste politische BezugsgröĂe zu etablieren und fand in der Geschichte Gestalten, die sich zum Nationalhelden aufbauen lieĂen.cite-ref-behrenbeck-30-23-1[23] Beispiele fĂŒr solche Geschichtsmythen sind etwa Hermann der Cherusker fĂŒr Deutschland,cite-ref-28[28] Jeanne dâArc fĂŒr Frankreichcite-ref-29[29] oder Wilhelm Tell fĂŒr die Schweiz.cite-ref-30[30]
Die Religionswissenschaftlerin Sabine Behrenbeck deutet den Zuwachs an Bedeutung, die Heldenfiguren im 19. Jahrhundert beigemessen wurde, im Zusammenhang mit der fortschreitenden Modernisierung: âIm bĂŒrgerlichen Zeitalter verkörperte der Held die Abwehr des Subjektes gegen seine Auslöschung durch anonyme Strukturen und Systeme.â Weil das Individuum in einer immer komplexer werdenden und sich immer weiter differenzierenden Gesellschaft immer weniger Autonomie und Selbstwirksamkeit entfalten könne, habe die Vorstellung geschichtsmĂ€chtiger Einzelpersonen ein attraktives Gegenbild gebildet. In diesem Zusammenhang sieht sie auch die im Historismus verbreitete Vorstellung, Geschichte sei in erster Linie das Werk groĂer MĂ€nner.cite-ref-behrenbeck-30-23-2[23]
Gleichzeitig fĂŒhrte die allgemeine Wehrpflicht, die seit der 1793 im revolutionĂ€ren Frankreich erlassenen LevĂ©e en masse auch in anderen europĂ€ischen Staaten eingefĂŒhrt wurde, zu einer Ausweitung eines heroischen Selbstbilds, das bislang nur auf die professionelle Truppe beschrĂ€nkt gewesen war, auf die ganze Gesellschaft. Der Militarismus und die gesteigerte nationale Reizbarkeit und Empörungsbereitschaft, die damit einhergingen, erleichterten, wie Herfried MĂŒnkler glaubt, den Ausbruch von Kriegen im 19. und frĂŒhen 20. Jahrhundert.cite-ref-m-nkler-4-1[4]
heldentod Von besonderer Bedeutung wurde in diesen Kriegen die Vorstellung des Heldentods. Die Verehrung christlicher MĂ€rtyrer wurde im Zuge der SĂ€kularisierung zwar verbreitet als Aberglaube abgetan, doch gleichzeitig kehrte die Figur in Gestalt als âprofaner Opferherosâ wieder.cite-ref-behrenbeck-30-23-3[23] In Kriegszeiten heroisierte die Propaganda Soldaten und Gefallene, um die Kampfmoral der Truppe und den Durchhaltewillen der Bevölkerung zu stĂ€rken. Der Erste Weltkrieg mit der Industrialisierung des Tötens (Maschinengewehr, SchĂŒtzengraben, Giftgas) und seinen Millionen Gefallenen lieĂ die ĂŒberkommenen Vorstellungen vom heldenhaften Krieger als Vaterlandsverteidiger weniger plausibel erscheinen.cite-ref-31[31] Um sie dennoch wachzuhalten, wurden im Deutschen Reich verschiedene Anstrengungen unternommen: Der Nationalökonom Werner Sombart (1863â1941) deutete in seinen Patriotischen Besinnungen von 1915 den Krieg als eine Auseinandersetzung zwischen HĂ€ndlern und Helden, also zwischen der Seemacht GroĂbritannien und dem heldischen, nĂ€mlich militaristischen Deutschland:
âDeutschland ist der letzte Damm gegen die Schlammflut des Kommerzialismus, der sich ĂŒber alle anderen Völker entweder schon ergossen hat oder unaufhaltsam zu ergieĂen im Begriffe ist, weil keines von ihnen gegen die andringende Gefahr gepanzert ist durch die heldische Weltanschauung, die allein, wie wir gesehen haben, Rettung und Schutz verheiĂt. Möchten Euch, meine lieben, jungen Freunde, denen ich diese BlĂ€tter widme, meine Worte zu Herzen dringen und in Euch den Geist stĂ€rken, der uns zum Siege fĂŒhren wird: den deutschen Heldengeist!âcite-ref-32[32]
Dabei sah Sombart das Heldische gegenĂŒber dem Kommerziellen aber bereits im Niedergang.cite-ref-m-nkler-4-2[4] WĂ€hrend des Krieges und auch noch in der Weimarer Republik wurde ein besonderer Personenkult um Paul von Hindenburg, den Sieger von Tannenberg getrieben.cite-ref-33[33] Auf dem Königsplatz in Berlin stand wĂ€hrend des Weltkriegs eine ĂŒber zwölf Meter hohe Figur Hindenburgs, in die gegen eine Spende NĂ€gel geschlagen werden konnten, der âEiserne Hindenburgâ.
Die inflationĂ€re Verwendung des Heldenbegriffs fĂŒhrte aber auch zu Widerspruch: Kurt Tucholsky konstatierte 1926, mit keinem anderen Begriff sei seit Ausbruch des Ersten Weltkriegs so viel âUnfug getriebenâ worden. Die Oberste Heeresleitung, die kaiserliche Familie, die Generale seien im Krieg durchaus keine Helden gewesen, sondern bloĂ âVerwaltungsbeamteâ.
âUnd wenn einer kommt und euch vom Heldentum eines Hindenburg, eines Ludendorff, eines desertierenden Kronprinzen etwas erzĂ€hlen will, dann tut mit diesen Helden und Heldenverehrern das, was ihnen gebĂŒhrt. Lacht sie aus.âcite-ref-34[34]
In der Zeit des Nationalsozialismus spielte Begriffe aus dem Wortfeld Held eine zentrale Rolle. Als heldisch wurde der âerblich-gesunde nordische Menschâ imaginiert, der im Gegensatz zum Judentum stehe. Im Lehr- und Lesebuch des Reichsarbeitsdienstes Bausteine zum Dritten Reich hieĂ es 1934:
Die SiegermĂ€chte des Ersten Weltkriegs dagegen wandten sich angesichts des entsetzlichen Blutzolls, der ihnen abverlangt worden war, vom Ideal heroischer Opferbereitschaft ab und wurden zu postheroischen Gesellschaften. Hier sieht Herfried MĂŒnkler eine Ursache fĂŒr ihre Appeasement-Politik, fĂŒr den ĂŒberstĂŒrzten RĂŒckzug der britischen Truppen vom Kontinent und die rasche Kapitulation Frankreichs am 22. Juni 1940. Nach seiner katastrophalen Niederlage Zweiten Weltkrieg setzte sich diese postheroische Disposition auch in (West-)Deutschland durch, und zwar deutlich ausgeprĂ€gter als in anderen europĂ€ischen Gesellschaften.cite-ref-m-nkler-4-3[4] Aus fĂŒr das Heldische begeisterten Kindern (Hitlerjugend, Wehrerziehung) war die âskeptische Generationâ der Nachkriegszeit geworden. Als Helden geehrt wurden aber Verfolgte des NS-Regimes und WiderstandskĂ€mpfer: Der Berliner Innensenator Joachim Lipschitz etwa startete am 0. November 1958 die Initiative âUnbesungene Heldenâ, mit der Berliner geehrt wurden, die Verfolgten geholfen hatten. Nach Lipschitzâ Tod schlief die Initiative wieder ein.cite-ref-36[36] Die WiderstandskĂ€mpfer um Claus Schenk Graf von Stauffenberg, die am 20. Juli 1944 versucht hatten, Hitler zu töten, wurden in der zweiten HĂ€lfte der 1940er Jahre noch als VaterlandsverrĂ€ter diffamiert, doch setzte sich im Laufe der 1950er Jahre eine heroisierende Sicht durch. Seit 1953 erinnert im Innenhof des Bendlerblocks eine Skulptur von Richard Scheibe an ihren versuchten Staatsstreich. Bei Gedenkveranstaltungen wird ihrer in öffentlichen Reden regelmĂ€Ăig gedacht.cite-ref-37[37]
Die 68er-Bewegung trat entschieden antimilitaristisch auf, verurteilte den Vietnamkrieg und speziell die dort begangenen Kriegsverbrechen. Gleichzeitig entwickelte sie einen eigenen Heroenkult und verehrte Mao Zedong, Há» ChĂ Minh und Che Guevara.cite-ref-38[38]
In den Staaten des Warschauer Paktes wurde der Begriff Held oft verwendet. So galten die Gefallenen des GroĂen VaterlĂ€ndischen Krieges in der Sowjetunion als Helden. WerktĂ€tige, die betriebliche Soll-Produktionswerte deutlich ĂŒbererfĂŒllt hatten, wurden mit dem Orden Held der Arbeit ausgezeichnet und als Vorbilder dargestellt. Verdienstvolle Staatsangehörige konnten als Held der Sowjetunion oder Held der DDR ausgezeichnet werden.cite-ref-behrenbeck-31-39-0[39] Eine groĂe Rolle spielte auch das antifaschistische Gedenken an den Widerstand gegen den Nationalsozialismus, wobei aber nur der kommunistischen WiderstandskĂ€mpfer gedacht wurde, namentlich Ernst ThĂ€lmanns.cite-ref-40[40]
Postheroische Zeiten
Nach dem Heldenkult von Nationalsozialismus und Realsozialismus steht politischer Heroismus in demokratischen Gesellschaften zumeist unter Verdacht. Die Figur des Helden wurde entpolitisiert und wanderte in die Unterhaltungskultur ab, etwa in Comics und Filme ĂŒber Superhelden, in die Popmusik, wo KĂŒnstler zum Teil rĂŒckhaltlos idolisiert werden, oder in den Sport, wo Allmachtsphantasien und MĂ€nnerbilder an der beeindruckenden Körperkraft und VitalitĂ€t der Akteure andocken können.cite-ref-behrenbeck-31-39-1[39] Aus der Ablehnung von Heldentum, nationalem Opfermut, der Entwicklung von âAutoritĂ€t durch Autorenschaftâ (Bazon Brock) ist eine Krise des Heroischen erwachsen. Seit den 1990er Jahren verwendet der Soziologe Dirk Baecker den Begriff des âPostheroischenâ.cite-ref-41[41] Der Begriff der âpostheroischen Dichtungâ war bereits in den 1950er Jahren von Maurice Bowra verwendet worden.cite-ref-42[42]
Der Politologe Herfried MĂŒnkler beschreibt seit 2007 die westlichen Gesellschaften als postheroisch: Sie wĂŒrden die heroischen Dispositionen ihrer Vergangenheit rĂŒckblickend pathologisieren und zufrieden mit dem erreichten gesellschaftlichen Lernprozess sein. Neue Aufgaben, die einer erneuten gesamtgesellschaftlichen Anstrengung und individueller Opferbereitschaft bedĂŒrften, wĂŒrden nicht mehr wahrgenommen; allenfalls gelte es, an bestimmten âStellschraubenâ zu drehen, um eine Feinjustierung des bereits Erreichten vorzunehmen. Dies sei durchaus problematisch, da manche Gesellschaften an der Peripherie der globalen Wohlstandszone gleichzeitig erst in eine heroische Phase eintrĂ€ten und sich aggressiv nach auĂen richteten, namentlich durch Terrorismus. Dies fĂŒhre in den postheroischen Gesellschaft des Westens zu einem GefĂŒhl der Wehrlosigkeit und der, wie MĂŒnkler meint, irrigen Ansicht, man könne sich von dieser Form der Gewalt mit Entwicklungshilfe freikaufen. TatsĂ€chlich stelle der der Terrorismus der âzum Selbstopfer bereiten Todesvirtuosenâ die âgröĂte Herausforderung postheroischer Gesellschaftenâ dar.cite-ref-m-nkler-4-4[4] Nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo am 7. Januar 2015 konkretisierte MĂŒnkler, der Terror zwinge âuns die Wiederaufnahme von Elementen des Heroischen aufâ: â[O]hne RĂŒckgriff auf einen Restbestand des Heroischenâ sei die postheroische Gesellschaft ânicht ĂŒberlebensfĂ€higâ.cite-ref-43[43]
Der Soziologe Ulrich Bröckling verweist darauf, dass der Topos eines âpostheroischen Zeitaltersâ durchaus nicht bedeute, dass es keine heroischen Orientierungen mehr gĂ€be, âsondern ihr Problematisch- und Reflexivwerdenâ.cite-ref-44[44]
Die heute verbreitete kritische Sicht auf Heldentum im hergebrachten Sinn zeigt sich in der Figur des Alltagshelden, der sich ganz unmilitĂ€risch fĂŒr andere einsetzt, auch wenn er seine Gesundheit dabei gefĂ€hrdet. Beispiele hierfĂŒr sind etwa Feuerwehrleute, FlĂŒchtlingshelfer oder Krankenpfleger.cite-ref-45[45] Nach Ende der COVID-19-Pandemie wurde in zahlreichen Plakaten und Anzeigenkampagnen den Alltagshelden auf den Feuerwachen, in den KrankenhĂ€usern und bei den Paketdiensten gedankt. Der Philosoph Dieter ThomĂ€ sieht darin âeine seltsame Mischung aus GleichgĂŒltigkeit und GroĂzĂŒgigkeitâ, da von den Betroffenen anscheinend erwartet werde, dass sie sich nach dem Lob weiter âklaglos aufreibenâ.cite-ref-46[46]
Da Alltagshelden nicht aus der Menge herausragen, ist der Begriff strenggenommen ein Oxymoron: Heldentum wird ja verstanden als auĂeralltĂ€gliches Verhalten. Eine frĂŒhe Epitomisierung des Alltagshelden leistete der Dichter Gottfried August BĂŒrger (1747â1794) mit seiner Ballade Das Lied vom braven Manne (1776), in dem er erzĂ€hlt, wie âder brave Mannâ bei Sturm eine Familie in drei Fahrten ans rettende Ufer transportiert, von dem sie durch das Hochwasser abgeschnitten waren. Er ist ein einfacher Bauer, der ebenfalls anwesende Graf traute sich nicht.cite-ref-47[47]
Wissenschaft
Vergleichende Mythenforschung
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Hauptartikel
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Heldenreise
Der amerikanische Literaturwissenschaftler Joseph Campbell (1904â1987) stellte in seinem Buch Der Heros in tausend Gestalten 1949 die These auf, dass die HeldenerzĂ€hlungen aus allen Zeiten und Kulturen eine gemeinsame Struktur aufwiesen, die er âMonomythosâ oder âHeldenreiseâ nannte. Als deren Elemente identifizierte er einen Helden, der sich auf eine Quest begibt, eine Suche oder Mission, die ihn vor verschiedene Herausforderungen stellt. Diese ĂŒberwindet der Held, verĂ€ndert sich dadurch gleichzeitig und kehrt schlieĂlich mit neu gefundenem Wissen oder Fertigkeiten nach Hause zurĂŒck, um sich in den Dienst anderer zu stellen. Campbell identifizierte verschiedene archetypische Charaktere, die in den Mythen der Welt immer wieder anzutreffen seien: neben dem Helden den Mentor, den WĂ€chter an der Schwelle, den Schatten und die weise alte Frau bzw. den weisen alten Mann und andere mehr. Diese Figuren wĂŒrden oft universelle menschliche Eigenschaften, SehnsĂŒchte und Herausforderungen, weshalb das Konzept Heldenreise in individualisierter Form auch in der Psychotherapie eingesetzt wird.cite-ref-48[48]
Das Konzept wurde verschiedentlich aufgegriffen und weiterentwickelt, um u. a. als Hilfe beim Schreiben eines Drehbuchs zu dienen. Von Kritikern wird eingewandt, Campbells Konzept pauschalisiere zu stark und erfasse nicht die reiche Vielfalt der mythologischen ErzĂ€hlungen, die sich weltweit finden. Von feministischer Seite wird eingewandt, dass Campbells Schema stets mĂ€nnliche Helden in den Mittelpunkt stelle und weiblichen Figuren allenfalls Nebenrollen zuweise. Dadurch perpetuiere es Geschlechterstereotype. Auch gebe es in vielen Kulturen frauenzentrierte ErzĂ€hlungen, die nicht unbedingt ins Schema Heldenreise passen. Sie wĂŒrden bei seiner Anwendung ĂŒbersehen oder heruntergespielt.cite-ref-49[49]
Sportwissenschaft
Es ist eine auĂerordentliche sportliche Leistung erforderlich, um zum Helden im Sport zu werden, aber erst durch geschicktes Management kann ein Sportler durch dauerhaft konstante Leistungen zur Marke werden.cite-ref-50[50] Swantje Scharenberg hat in ihrer Analyse der Helden im Sport in der Weimarer Zeit gezeigt, welche auĂergewöhnlichen Leistungen Heldenpotenzial fĂŒr die jeweilige Zeit hĂ€tten. Sie spricht hierbei aber von Helden im Sport und nicht von Sporthelden.cite-ref-51[51] FĂŒr Garry Whannel muss jedoch aus anglo-amerikanischer Perspektive der Medien-Sportstar und -Held immer ein Mann sein, da in der Gegenwart, in der körperliche Dominanz beruflich nicht mehr erforderlich ist, nur so die mĂ€nnliche Hegemonie gewahrt sei.cite-ref-52[52] Sie alle bestĂ€tigen, dass es Zeiten gibt, in denen Helden mehr gesellschaftlich erwĂŒnscht sind als in anderen (Ende des Heldentums?).cite-ref-53[53] In kaum einem gesellschaftlichen Bereich ist der Fall vom Helden zum Anti-Helden jedoch so tief und schnell wie im Sport, da die Sportler/-innen stĂ€rker als z. B. Politiker zum Jugendidol hochstilisiert werden (Lance Armstrong, Oscar Pistorius, Jan Ullrich usw.).cite-ref-54[54]
Kunstwissenschaft
Der Soziologe Ulrich Bröckling interpretiert auf prominente Helden der Kunstgeschichte: Was Kunstschaffende und Helden, Kunstwerke und Heldentaten miteinander verbindet, so Bröckling, ist, dass sie etwas sinnlich erfahrbar machen, das zugleich ĂŒber sie hinausweist.cite-ref-55[55]cite-ref-56[56]
Der Begriff des Heroentum wird auch in den Arbeiten zahlreicher Kunstschaffender seit den 2000er Jahren thematisiert.cite-ref-57[57] Georg Baselitzâ Werkgruppen âHeldenâ und âNeue Typenâ gelten weltweit als SchlĂŒsselwerke der deutschen Kunst der 1960er-Jahre.cite-ref-58[58] KAWS ist dafĂŒr bekannt, ikonische Zeichentrickfiguren zu subvertieren und zeigt damit sein Interesse am universellen kulturellen Wert dieser Figuren.cite-ref-59[59] Thomas Liu Le Lanns Stoffskulpturen stellen âzarte Heldenâ dar: Inspiriert vom japanischen Roboter Astro Boy, bevorzugen sie Sanftheit und PassivitĂ€t.cite-ref-60[60] Als weiche, anschmiegsame Wesen hinterfragen sie traditionelle Vorstellungen von mĂ€nnlicher StĂ€rke und HandlungsfĂ€higkeit.cite-ref-61[61]cite-ref-62[62] In ihren Videos erschafft Lu Yang virtuelle Parallelwelten, bevölkert von Göttern, DĂ€monen, Helden, Kriegern und Cyborgs, inspiriert von Universen aus der Welt der Videospiele, Mangas und östlichen Religionen.cite-ref-63[63]
Literatur
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âą Sabine Behrenbeck: Heros/Heroismus. In: Christoph Auffarth, Jutta Bernard, Hubert Mohr (Hrsg.): Metzler Lexikon Religion. Gegenwart â Alltag â Medien. Band 2, J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2005, ISBN 978-3-476-02070-3, S. 28â31, S. 28â31.
âą Joseph Campbell: Der Heros in tausend Gestalten. Insel, Frankfurt am Main 1999, ISBN 3-458-34256-7.
âą Franz-Josef Deiters, Andreas Dorrer, Axel Fliethmann, Alison Lewis, Christiane Weller (Hrsg.): Helden | Heroes (= Limbus. Australisches Jahrbuch fĂŒr germanistische Literatur- und Kulturwissenschaft / Australian Yearbook of German Literary and Cultural Studies, Band 16). Rombach, Baden-Baden 2023, ISBN 978-3-9885801-5-3.
⹠Georg Eckert, Sebastian Meurer: Gesetzgeber als Helden. Figuren der ErmÀchtigung zwischen Antike und Moderne (= Figurationen des Heroischen, Band 8). Wallstein Verlag, Göttingen 2024, ISBN 978-3-8353-5478-4.
âą Olmo Gölz, Georg Feitsche: Helden. In: Gerd Sebald, Mathias Berek, Kristina Chmelar, Oliver Dimbath, Hanna Haag, Michael Heinlein, Nina Leonhard, Valentin Rauer (Hrsg.): Handbuch Sozialwissenschaftliche GedĂ€chtnisforschung. Bd. 1, Springer VS, Wiesbaden 2023, ISBN 978-3-658-26586-1, S. 377â390.
âą Daniel Hess, Markus Prummer: Helden, MĂ€rtyrer, Heilige. Wege ins Paradies. Verlag des Germanischen Nationalmuseums, NĂŒrnberg 2019, ISBN 978-3-946217-18-3.
âą Ralf von den Hoff, Ronald G. Asch, Achim Aurnhammer, Ulrich Bröckling, Barbara Korte, Jörn Leonhard, Birgit Studt: Helden â Heroisierungen â Heroismen: Transformationen und Konjunkturen von der Antike bis zur Moderne. Konzeptionelle Ausgangspunkte des Sonderforschungsbereichs 948. In: helden. heroes. hĂ©ros. E-Journal zu Kulturen des Heroischen. Heft 1, 2013, S. 7â14, doi:10.6094/helden.heroes.heros./2013/01/03
âą Ralf von den Hoff u. a.: Das Heroische in der neueren kulturhistorischen Forschung: Ein kritischer Bericht. In: H-Soz-Kult, 28. Juli 2015, https://www.hsozkult.de/literaturereview/id/fdl-136846.
⹠Ralf von den Hoff (Hrsg.): Prinzip Held. Von Heroisierungen und Heroismen. Wallstein Verlag, Göttingen 2024, ISBN 978-3-8353-5581-1.
âą Arnd KrĂŒger, Swantje Scharenberg (Hrsg.): Zeiten fĂŒr Helden â Zeiten fĂŒr BerĂŒhmtheiten im Sport. LIT, MĂŒnster 2014, ISBN 978-3-643-12498-2.
⹠Michael Naumann: Strukturwandel des Heroismus. Vom sakralen zum revolutionÀren Heldentum. AthenÀum, Königstein/Taunus 1984.
âą Christoph Petersen, Markus May (Hrsg.): Heroen â Helden. Eine Geschichte der literarischen Exorbitanz von der Antike bis zur Gegenwart. Wallstein, Göttingen 2022, ISBN 978-3-8353-5311-4.
⹠Martin W. Ramb, Holger Zaborowski (Hrsg.): Helden und Legenden oder: Ob sie uns heute noch etwas zu sagen haben. Wallstein, Göttingen 2015, ISBN 978-3-8353-1691-1.
âą Jan Philipp Reemtsma: Der Held, das Ich und das Wir. In: Mittelweg 36. Jg. 18, 2009, Heft 4, S. 41â64.
⹠Gerrit Walther: Held/in. In: EnzyklopÀdie der Neuzeit, Band 5, J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2007, ISBN 978-3-476-01995-0, kostenpflichtiges Digitalisat.
âą Manfred Wekwerth: Held. In: Historisch-kritisches Wörterbuch des Marxismus. Band 6.1, Argument-Verlag, Hamburg 2004, Sp. 55â63.
Weblinks
Commons
: Helden
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Held
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
Wikiquote: Held
â Zitate
⹠Die Ergebnisse von zwölf Jahren interdisziplinÀrer Forschung des Sonderforschungsbereich 948 Helden - Heroisierungen - Heroismen an der UniversitÀt Freiburg.
âą Compendium heroicum. Das Online-Lexikon des Sonderforschungsbereichs 948 âHelden â Heroisierungen â Heroismenâ.
âą AusfĂŒhrliche und dauerhaft gepflegte Bibliographie zum Thema Helden von der UniversitĂ€t Freiburg
âą Negative Helden: Ăber âunmenschlichâ handelnde Protagonisten im Film@1@2Vorlage:Toter Link/www.willscheck.de (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Dezember 2023. Suche in Webarchiven)
âą Sonderausstellung Helden, MĂ€rtyrer, Heilige. Wege ins Paradies, Germanisches Nationalmuseum in NĂŒrnberg
Einzelnachweise
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cite-note-22. â Ralf von den Hoff, Ronald G. Asch, Achim Aurnhammer, Ulrich Bröckling, Barbara Korte, Jörn Leonhard, Birgit Studt. [DOI 10.6094/helden.heroes.heros./2013/01/03 Helden â Heroisierungen â Heroismen. Transformationen und Konjunkturen von der Antike bis zur Moderne. Konzeptionelle Ausgangspunkte des Sonderforschungsbereichs 948]. E-Journal zu Kulturen des Heroischen 1 (1), S. 7â14, hier S. 8.
cite-note-33. â Olmo Gölz, Georg Feitsche: Helden. In: Gerd Sebald, Mathias Berek, Kristina Chmelar, Oliver Dimbath, Hanna Haag, Michael Heinlein, Nina Leonhard, Valentin Rauer (Hrsg.): Handbuch Sozialwissenschaftliche GedĂ€chtnisforschung. Bd. 1, Springer VS, Wiesbaden 2023, ISBN 978-3-658-26586-1, S. 377â390, hier S. 378 f.
cite-note-55. â Tobias Schlechtriemen: The Hero as an Effect. Boundary Work in Processes of Heroization. In: E-Journal zu Kulturen des Heroischen 5 (2019) doi:10.6094/helden.heroes.heros./2019/APH/03, S. 17â26, hier S. 19.
cite-note-66. â Sabine Behrenbeck: Heros/Heroismus. In: Christoph Auffarth, Jutta Bernard, Hubert Mohr (Hrsg.): Metzler Lexikon Religion. Gegenwart â Alltag â Medien. Band 2, J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2005, ISBN 978-3-476-02070-3, S. 28â31, S. 28â31, hier S. 28.
cite-note-pauly-477-77. â Fritz Graf: Heroenkult. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 5, Metzler, Stuttgart 1998, ISBN 3-476-01475-4, Sp. 477..
cite-note-88. â Fritz Graf: Heroenkult. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 5, Metzler, Stuttgart 1998, ISBN 3-476-01475-4, Sp. 478..
cite-note-99. â Fritz Graf: Heroenkult. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 5, Metzler, Stuttgart 1998, ISBN 3-476-01475-4, Sp. 479..
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cite-note-1717. â Held Subst m auf de.pons.com.
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cite-note-4242. â Cecil Maurice Bowra: Heldendichtung: eine vergleichende PhĂ€nomenologie der heroischen Poesie aller Völker und Zeiten. J.B. Metzler, 1964, ISBN 3-476-00017-6, S. 619 ff. (google.de [abgerufen am 12. MĂ€rz 2022]).
cite-note-4343. â Herfried MĂŒnkler: Unser Recht auf Feigheit. In: SĂŒddeutsche Zeitung vom 20. Januar 2015, zitiert nach Sonderforschungsbereich 948: Held. In: Ronald G. Asch et al.: Compendium heroicum, publiziert vom Sonderforschungsbereich 948 âHelden â Heroisierungen â Heroismenâ der UniversitĂ€t Freiburg, 1. Februar 2019.
cite-note-4444. â Ulrich Bröckling: Postheroische Helden. Ein Zeitbild. Suhrkamp, Berlin 2020, ISBN 978-3-518-58747-8, S. 11, zitiert nach Olmo Gölz, Georg Feitsche: Helden. In: Gerd Sebald, Mathias Berek, Kristina Chmelar, Oliver Dimbath, Hanna Haag, Michael Heinlein, Nina Leonhard, Valentin Rauer (Hrsg.): Handbuch Sozialwissenschaftliche GedĂ€chtnisforschung. Bd. 1, Springer VS, Wiesbaden 2023, S. 377â390, hier S. 383.
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